Diabetes und Zeitverschiebung

Reisen

Um mit Diabetes entspannt zu reisen, braucht es eine gute Planung im Vorfeld. Liegt das Reiseziel zudem in einem Land mit anderer Zeitzone, kommen weitere Aspekte hinzu, die es zu beachten gilt. Der folgende Text verrät dir, was du bei Diabetes und einer Zeitverschiebung beachten solltest.

Die verschiedenen Zeitzonen

In 24 Stunden dreht sich die Erde einmal um die eigne Achse. Deshalb gibt es auch 24 verschiedene Zeitzonen. Innerhalb solch einer Zone sind Uhrzeit und Datum gleich. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt z. B. die Mitteleuropäische Zeit (MEZ).

Die Zeitzonen richten sich nach den Längengraden, die sich von Nord- zum Südpol erstrecken. Dazu muss man sich unseren Globus als Kugel (= 360 Grad) vorstellen. Teilt man diesen Wert nun durch 24 Stunden, entfallen auf jede Zeitzone 15 Grad. Das bedeutet, dass alle 15 Grad eine neue Zeitzone beginnt. Allerdings haben sich die meisten Staaten auf eine Zeit innerhalb des eigenen Landes geeinigt. Diese kann von den Längenbreiten abweichen. Das ist gerade bei sehr flächengroßen Ländern wie den USA, Kanada oder Russland der Fall. In den USA gibt es beispielsweise sieben verschiedene Zeitzonen. Eine Liste mit allen 24 Zeitzonen findest du hier.

Insulinanpassung bei Zeitverschiebung

Bei Langstreckenflügen, die gleich mehrere Zeitzonen durchqueren und es daher zu einer größeren Zeitverschiebung zwischen Start- und Zielort kommt, ist eine Insulinanpassung notwendig. Hierbei muss man zwischen der Zufuhr mithilfe von Spritzen und Pumpen unterscheiden.

Bei der ICT-Therapie (intensivierte konventionelle Insulintherapie)

Reist man von Deutschland aus Richtung Osten, muss man die Zeit vorrechnen. Die Tage werden kürzer und der Medikamentenbedarf sinkt zunächst. Während Mahlzeiten- und Korrekturinsulin, auch Bolus-Insulin genannt, gleichbleibend zugeführt wird, muss das Verzögerungsinsulin (auch bekannt als Basal-Insulin) angepasst werden. Sonst kommt es zu einer Überschneidung der Insuline. Vor dem Flug ist daher eine Reduktion der Insulindosis sinnvoll, wenn der Tag mehr als acht Stunden verkürzt wird. Das tritt zum Beispiel ein, wenn man von Deutschland nach Singapur fliegt.

In der Regel bedürfen Reisen unter zwei bis vier Stunden Zeitverschiebung keine besondere Insulinanpassung.

Reist man dagegen nach Westen, muss man seine Uhr zurückstellen. Die Tage werden dadurch länger und der Bedarf an Medikamenten steigt, denn es entsteht eine Versorgungslücke mit dem Verzögerungsinsulin.

Beispielsweise liegt Hawaii elf Stunden hinter unserer mitteleuropäischen Zeit. Vor Reiseantritt kann die normale Insulindosis injiziert werden. Während des Fluges kann zusätzlich schnell-wirkendes Insulin notwendig werden. Vor Ort empfiehlt sich dann die Injektion von Verzögerungsinsulin entsprechend der Uhrzeit vor  Ort.

Bei der Insulinpumpentherapie

Hier besteht die Möglichkeit, das eigene Basalraten-Profil oder die temporäre Basalrate entsprechend der Zeitverschiebung anzupassen.

Bei dem Basalraten-Profil gibt die Insulinpumpe stündlich Insulin ab. Diese Dosis ist individuell auf den eignen Biorhythmus abgestimmt. Bei Zeitverschiebungen kann man diese Rate nun für die Dauer des Fluges und ggf. noch für den zweiten Tag neu einstellen. Hierfür ist es empfehlenswert, ein eigenständiges, neues „Reise“-Profil laufen zu lassen. Durch regelmäßige Kontrolle weißt du, ob die Anpassungen richtig sind. Sind deine Werte in Ordnung, kannst du auf dein übliches Basalraten-Profil zurück wechseln.

Unser Tipp:
Vor Reiseantritt, egal ob bei der ICT- oder Insulinpumpen-Therapie, solltest du unbedingt mit deinem Diabetologen besprechen, wohin die Reise geht und wie lange sie dauert. Gemeinsam könnt ihr die bestmögliche Therapie für dich festlegen. Was du zudem beachten solltest, erfährst du in unserem Wissensartikel „Diabetes und Reisen

 

Hier nochmal zu Übersicht:
  • Reise Richtung Osten – Tage werden kürzer – Medikamentenbedarf sinkt zunächst
  • Reise Richtung Westen – Tage werden länger – Medikamentenbedarf steigt zunächst

Auf dem Flug mit Diabetes

Wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliegt, dürfen in der Regel benötigte Arzneimittel und auch Getränke mit ins Flugzeug. Das solltest du aber vor Reiseantritt unbedingt überprüfen. Denn je nach Fluggesellschaft herrschen andere Bestimmungen zur Mitnahme von Medikamenten wie Insulin. Dein Handgepäck sollte so zusammengestellt sein, dass du im Notfall alles Wichtige griffbereit hast. Auch bei Turbulenzen, Flugausfällen und -verzögerungen ist ein clever zusammengestelltes Handgepäck sinnvoll. Denn meist ist dann kein Essensservice möglich. Ausreichend Essen und Trinken in deinem Rucksack hilft zur Überbrückung von längeren Pausen. Außerdem sollten Messgerät, Notfall-Insulin, deine ärztliche Bescheinigung und dein internationaler Diabetiker-Ausweis immer bei dir in der Nähe sein.

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Es gibt aber auch Fluggesellschaften, bei denen du das Insulin und Co. vor Reisebeginn abgeben musst und es bei Bedarf ausgehändigt bekommst. Erkundige dich daher vor Reiseantritt, wie deine Medikamente zu transportieren sind.

Während der Reise ist es wichtig, häufiger den Blutzucker zu kontrollieren. Auch auf genügend Flüssigkeitszufuhr und Bewegung solltest du achten. Wasser und Tee eignen sich ideal, auf Alkohol solltest du jedoch verzichten. Kleine Lockerungsübungen für Füße und Beine beugen nicht nur einer Reisethrombose vor, auch bequeme Schuhe und Socken ohne Naht tragen zum Wohlfühlen bei. Welches Symptome Anzeichen für Diabetes sind, erklärt der Artikel “Diabetes erkennen“.

Was sonst noch alles in dein (Hand-) Gepäck gehört, haben wir dir in unserer „Diabetes Packliste für die nächste Urlaubsreise“ zusammengestellt.

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